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Athegus
1. Mai 2025Unternehmensmeilenstein

Athegus erhält 740.000 € EXIST-Forschungstransfer-Förderung

Von Sebastian Schmidt

Athegus erhält 740.000 € EXIST-Forschungstransfer-Förderung

740.000 Euro für den Schritt vom Prototyp zum Produkt

Das Athegus-Gründungsteam hat eine EXIST-Forschungstransfer-Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erhalten. Die Förderung über 740.000 Euro unterstützt die Überführung von Forschungsergebnissen in ein marktreifes Produkt über 18 Monate.

Diese Art von Förderung ist kein Preisgeld und kein Startkapital im üblichen Sinne. Sie ist ein klar umrissener Auftrag: nachzuweisen, dass aus einem belastbaren Forschungsergebnis ein Produkt werden kann, das Einrichtungen im Gesundheitswesen verlässlich einsetzen. Genau diese Schwelle, der Übergang vom funktionierenden Prototyp zum betriebssicheren System, ist erfahrungsgemäß die schwierigste in der gesamten Entwicklung. Wir betrachten die Förderung deshalb weniger als Auszeichnung und mehr als Verpflichtung, diesen Übergang sauber und ohne Abkürzungen zu vollziehen.

Was dies ermöglicht

Die Förderung beschleunigt die hospOS-Entwicklung in zwei Phasen:

Phase 1 (Monate 1-12): Weiterentwicklung der Plattform vom Forschungsprototyp zum produktionsreifen System. Schwerpunktbereiche sind Security-Härtung, Gebäude-Integrationsprotokolle und Multi-Vendor-Roboterkoordination.

Phase 2 (Monate 13-18): Vorbereitung des kommerziellen Markteintritts und externer Finanzierung. Dazu gehören Piloteinsätze, Verifizierung regulatorischer Compliance und Aufbau von Partnerschaften mit Gesundheitseinrichtungen.

Der Unterschied zwischen beiden Phasen ist nicht nur zeitlich, sondern grundsätzlich. In Phase 1 geht es um technische Substanz: Ein System, das im Reallabor unter wohlwollender Begleitung läuft, muss in der ersten Phase so gehärtet werden, dass es im Routinebetrieb einer Klinik ohne ständige Aufsicht funktioniert. Das betrifft den Umgang mit Ausfällen einzelner Roboter ebenso wie die Frage, was passiert, wenn ein Fahrstuhl, eine Tür oder ein Gebäudeleitsystem nicht wie erwartet reagiert. In Phase 2 verschiebt sich der Fokus von der Maschine zur Organisation: Pilotpartner, regulatorische Nachweise und tragfähige Partnerschaften entscheiden darüber, ob die Technik auch außerhalb des Entwicklungslabors Bestand hat.

Warum EXIST-Forschungstransfer

EXIST-Forschungstransfer richtet sich gezielt an forschungsbasierte Gründungen mit hohem Innovationspotenzial und technischem Risiko. Athegus ist das erste Team der Technischen Hochschule Deggendorf, das diese spezielle Fördervariante erhält.

Das Programm erkennt an, dass Krankenhaus-Roboter-Management echte operative Herausforderungen mit technischen Ansätzen löst, die noch nicht kommerzialisiert wurden: herstellerunabhängige Koordination, Privacy-by-Design-Architektur, On-Premise-Betrieb.

Diese drei Punkte sind keine Schlagworte, sondern bewusste Entscheidungen mit Konsequenzen. Herstellerunabhängige Koordination bedeutet, dass eine Einrichtung nicht an das Ökosystem eines einzelnen Roboterherstellers gebunden ist, sondern Geräte verschiedener Anbieter über eine gemeinsame Steuerungsebene betreiben kann. Privacy-by-Design heißt, dass der Schutz sensibler Daten nicht nachträglich aufgesetzt, sondern von Beginn an in die Architektur eingebaut ist. Und On-Premise-Betrieb bedeutet, dass die Daten dort bleiben, wo sie entstehen, nämlich in der Einrichtung selbst, statt zwingend in eine fremde Cloud abzufließen. Gerade im Gesundheitswesen ist diese Kombination nicht selbstverständlich, und sie war auch der Grund, warum sich die Aufgabe nicht mit bestehenden Lösungen vom Markt erledigen ließ.

Souveränität als Konstruktionsprinzip

Wir verstehen digitale Souveränität nicht als politisches Etikett, sondern als technische Eigenschaft, die man entweder einbaut oder eben nicht. Ein Roboter-Management-System sitzt an einer empfindlichen Stelle: Es kennt Wege, Zeitpläne und Abläufe einer Einrichtung und steuert physische Geräte in einem Umfeld, in dem Patientinnen und Patienten unterwegs sind. Wer ein solches System betreibt, sollte nachvollziehen können, welche Daten verarbeitet werden, wo sie liegen und wer Zugriff hat.

Aus diesem Grund ist hospOS so ausgelegt, dass es ohne dauerhafte Anbindung an externe Dienste lauffähig bleibt. Das ist anspruchsvoller in der Entwicklung, aber es entspricht dem, was Betreiber kritischer Infrastruktur in der Praxis brauchen. Ehrlich bleiben wir dabei in einem Punkt: Software macht niemanden automatisch KRITIS- oder NIS-2-konform. Compliance ist eine Eigenschaft der gesamten Organisation, nicht eines einzelnen Produkts. Was gute Software leisten kann, ist, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen und den Nachweis zu erleichtern, statt ihn zu erschweren. Mehr zu unserem Verständnis von Eigenständigkeit und Kontrolle findet sich unter Souveränität.

Von der Forschung zum Produkt

Das Gründungsteam, bestehend aus Sebastian Schmidt, Tobias Greiler, Stefan Fischer und Eva Pletl, entwickelte die anfängliche Technologie während des Forschungsprojekts SMART FOREST 5G Clinics. Drei Jahre Arbeit in klinischen Reallaboren offenbarten das Kernproblem: exzellente Roboter, fragmentierte Steuerungssysteme.

hospOS entstand aus der Lösung dieser praktischen Herausforderung. Die EXIST-Förderung ermöglicht nun die Transformation dieser Forschungsergebnisse in ein zuverlässiges Produkt, das Gesundheitseinrichtungen tatsächlich einsetzen können.

Der Weg von der Forschung zum Produkt wird oft unterschätzt. Ein Prototyp darf scheitern; ein Produkt darf es nicht. Im Reallabor ist es vertretbar, dass jemand aus dem Team eingreift, wenn eine Übergabe zwischen Robotern hakt. Im Regelbetrieb einer Einrichtung ist genau das keine Option. Diese Verschiebung der Anforderungen, von "es funktioniert unter Beobachtung" zu "es funktioniert, wenn niemand zusieht", ist die eigentliche Arbeit der kommenden Monate. Sie ist weniger spektakulär als der erste funktionierende Demonstrator, aber sie entscheidet darüber, ob aus einer guten Idee ein verlässliches Werkzeug wird.

Wie es weitergeht

Die Entwicklung wird mit Pilotpartnern im Gesundheitswesen fortgesetzt. Der Fokus bleibt auf der Bewältigung echter operativer Herausforderungen: nahtlose Gebäudeintegration, intuitive Bedienung für nicht-technisches Personal und zuverlässige Koordination über verschiedene Robotertypen hinweg.

Besonders der Punkt der Bedienbarkeit wiegt schwer. Ein System, das nur von Spezialistinnen und Spezialisten beherrscht wird, hilft im Alltag einer Einrichtung wenig. Die Menschen, die mit hospOS arbeiten, sind Pflegekräfte, Logistik- und Servicepersonal, nicht Roboteringenieure. Entsprechend muss die Steuerung verständlich bleiben, auch dann, wenn etwas Unerwartetes passiert. Wir messen den Erfolg deshalb nicht an der Zahl der Funktionen, sondern daran, wie ruhig der Betrieb läuft, wenn das System einfach seine Arbeit tut.

Die Athegus GmbH wurde zeitgleich mit dem Förderbeginn gegründet.


Über EXIST-Forschungstransfer: Ein Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Unterstützung von Teams bei der Überführung herausragender Forschungsergebnisse aus Hochschulen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen. Mehr unter exist.de.

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